02.08.2022

Neues, emissionsfreies Lkw-Leben: Wieso Clean Logistics das Umrüstgeschäft in den Fokus nimmt

von electrive.net

Clean Logistics setzt auf die Konvertierung von Diesel-Trucks und -Bussen hin zum Brennstoffzellen-elektrischen Antrieb. Das Geschäftsmodell scheint sich auszuzahlen, zumindest spricht der Lkw- und Bus-Umrüster von einer großen Nachfrage nach den Produkten des Unternehmens. Die Ambitionen der Hamburger reichen jedoch weiter, wie eine Übernahme zeigt.

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Erst kürzlich hat Clean Logistics seinen ersten Wasserstoff-betriebenen Truck Fyuriant vorgestellt, das zweite auf Brennstoffzellen-Technologie umgerüstete Fahrzeug im Portfolio des 2018 gegründeten und durch die Übernahme des Mantels der SendR SE inzwischen an der Börse notierten Hamburger Unternehmens. Vor gut einem Jahr, im Sommer 2021, stellte Clean Logistics bereits den umgerüsteten Bus Pyuron mit Brennstoffzellen-Wasserstoff-Antrieb vor.

Dass das Unternehmen die Konversion zu einem Kern seines Geschäfts gemacht hat, basiert laut CTO Florian Brandau auf dem Nachhaltigkeitsansatz des Unternehmens. Man agiere im Sinne der nachhaltigen Kreislaufwirtschaft, erklärt er gegenüber electrive.net. „Dadurch, dass wir lediglich die Antriebskomponenten des Dieselfahrzeuges entfernen und unsere Antriebssysteme integrieren, muss das Grundfahrzeug nicht verschrottet werden, sondern kann sogar aufgewertet werden“, führt er weiter aus. „Wir verhelfen ihm zu einem neuen, emissionsfreien Leben.“

Bei der Fyuriant-Premiere im Juni war es ein Fahrzeug der Marke DAF, das ein zweites Leben erhielt. Clean Logistics nutzt aber ein modular aufgebautes System, wodurch das Unternehmen seine Antriebstechnologie in Fahrzeuge aller gängigen Hersteller integrieren könne. Angetrieben wird der Fyuriant von zwei Prisma-Brennstoffzellen mit je 120 kW Leistung, die von Shanghai Refire Technology entwickelt und hergestellt werden. Die Wasserstofftanks verfügen über ein Volumen von 43 Kilogramm, die in weniger als 15 Minuten befüllt werden können. So ist laut Unternehmen eine Reichweite von mehr als 400 Kilometer möglich. Die mit Radnabenmotoren ausgestattete Hinterachse wurde inhouse entwickelt, sie hat ein Drehmoment von maximal 17.000 Nm. Auch der Bus Pyuron des Hauses ist mit Refire-Brennstoffzellen ausgestattet.

Ein weiterer Grund dafür, bereits bestehende Fahrzeuge umzubauen, statt ganz neue Fahrzeuge zu produzieren, sei der Faktor Zeit, so Brandau weiter. Der Chief Technology Officer bezieht sich auf die Klimaziele der Bundesregierung, weswegen man jetzt schnell reagieren müsse: „Nutzt man Bestandsfahrzeuge und konvertiert diese, sind wir schlichtweg schneller als bei der Neuproduktion eines kompletten Fahrzeuges.“ Eine Rolle spielen dabei auch die derzeitigen Herausforderungen auf dem Weltmarkt. „Durch die Spannungen in den Lieferketten würde sich die Produktion nochmal mehr hinziehen“, erläutert Brandau. „Dieses Risiko umgehen wir zumindest teilweise, wenn wir nicht komplett bei Null starten.“

Den Fokus des Unternehmens auf den Brennstoffzellen-elektrischen Antrieb erklärt der CTO mit dem Anforderungsprofil in den Bereichen, in denen das Unternehmen aktiv ist. „Wir haben lange Strecken, die mit möglichst wenig Betankungszeit zurückgelegt werden sollen“, sagt er und fügt an: „Außerdem spielt auch die Nutzlast eine Rolle: Je weniger Gewicht das Antriebssystem hat, desto mehr kann der Lkw laden – für die Logistiker und Spediteure, also unsere Kunden, ein entscheidender Faktor.“

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