27.06.2020

VDMA-Studie: Brennstoffzelle kann in Europa bis 2040 68.000 Jobs schaffen

von electrive.net
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Brennstoffzellenfahrzeuge werden einer im Auftrag des VDMA erstellten Studie zufolge in fünf wichtigen Kernmärkten einen Marktanteil von 12 Prozent erreichen. Mit Hinblick auf die Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau rechnet der Verband mit guten Chancen – unter einigen Voraussetzungen.

Alleine in Europa könnten im Jahr 2040 laut der Studie, die von FEV Consulting für den VDMA erstellt wurde, elf Milliarden Euro Umsatz mit Brennstoffzellenkomponenten im Pkw erzielt werden. Global sind es sogar 75 Milliarden Euro. Zieht man davon Gewinne, Gemeinkosten, Materialien und Rohstoffe ab, verbleiben über 20 Milliarden Euro reine Wertschöpfung, davon 3 Milliarden Euro in Europa.

Für die Herstellung dieser Komponenten seien Fähigkeiten etwa in der Metallverarbeitung, Mechatronik oder der Prozessautomation erforderlich – alles Kompetenzen, über die Europa bereits heute verfüge. „Für die Maschinenbauindustrie ist die Brennstoffzellentechnologie in Bezug auf Wertschöpfung und Arbeitsplätze eine große Chance“, sagt Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer. „Wir sind hier global noch in der Pole-Position und können in Deutschland und Europa die ganze Wertschöpfungskette abbilden.“

Doch damit derartige Umsatzpotenziale überhaupt erreicht werden können, muss auch die Marktentwicklung stimmen. Für die Studie mit dem Titel „Antrieb im Wandel – Auswirkungen der Brennstoffzellentechnologie auf den Maschinen- und Anlagenbau und die Zulieferindustrie“ hat die FEV Consulting nach seiner Analyse folgendes Szenario entworfen: Zunächst kommt die Nachfrage aus Asien, wegen der klaren Positionierung von Japan und Südkorea seien dort bis 2030 Marktanteile von bis zu sechs Prozent möglich – für alle Fahrzeuge gerechnet. China, die USA und Europa würden „mit geringem Zeitverzug“ folgen. Von einer Million Brennstoffzellenfahrzeugen im Jahr 2030 geht die FEV bis 2040 von zehn Millionen Brennstoffzellenfahrzeugen pro Jahr aus, was einem Marktanteil von 12 Prozent in den erwähnten fünf Märkten entspreche.

„Von diesen 10 Millionen FCEV sind 95 Prozent Pkw und leichte Nutzfahrzeuge“, sagt Michael Wittler, der die Studie bei der FEV Consulting geleitet hat. „In Segmenten wie den schweren Nutzfahrzeugen wird der Marktanteil deutlich höher sein, bei den Stückzahlen spielen diese Fahrzeuge aber nur eine geringe Rolle.“

Auch der VDMA geht davon aus, dass die Brennstoffzelle zunächst im Schwerlastverkehr eingesetzt werden wird. „Bei Nutzfahrzeugen haben wir eine sehr straffe CO2-Gesetzgebung“, sagt Rauen bei einer Online-Konferenz zur Vorstellung der Studie. „Da müssen wir uns anschauen, mit welcher Technologie sich das umsetzen lässt. Die Antwort des Markts ist aktuell klar: Das geht nur mit der Brennstoffzelle.“

Von der ablehnenden Haltung bei Volkswagen und dem Strategieschwenk bei Daimler, den GLC F-Cell ohne Nachfolger auslaufen zu lassen, sieht sich der VDMA nicht entmutigt. Über die für Nutzfahrzeug getätigten Investitionen würde die Technologie mit der Zeit günstiger, die Wasserstoff-Infrastruktur besser. „Momentan sind die Weichen in Richtung Batterie-elektrischer Fahrzeuge gestellt“, sagt Stefan Pischinger, Geschäftsführer der FEV Group. „Beim Wasserstoff ist die Infrastruktur und auch die Technologie noch nicht so weit. Wenn das gegeben ist, wird sich das auch die Industrie zunehmend anschauen – auch in Europa.“

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